Pfarrheim St. Martin Niedermurach
„Man muss das Unmögliche versuchen, um das Mögliche zu erreichen.“ Dieser Ausspruch von Hermann Hesse beschreibt die Bemühungen um die Errichtung des neuen Pfarrheims in Niedermurach auf vortreffliche Weise. Ein jahrelanges Ringen um die Zukunft des Pfarrhauses ging dem Baubeginn am 3. Juli 2017 voraus. Alle Ansätze zu verschiedenen Nutzungen scheiterten stets an der Frage der Finanzierung. Ein sogenannter „Runder Tisch“ brachte schließlich den Durchbruch.
Das Pfarrhaus im Jahr 2012. Bild: Robert Hauser
Der Blick zurück
Im Jahr 2000 ging Pfarrer Hans Kraus nach 40 Jahren Seelsorge in Niedermurach in den Ruhestand nach Amberg. Von da an blieb das Pfarrhaus zwar nicht ganz ungenutzt, denn KLB und KLJB trafen sich dort, Kinderwortgottesdienste wurden abgehalten und Pastoralreferent Andreas Hartung hatte dort sein Büro. Letztlich war es aber ein Leerstand, da niemand darin wohnte. Die Bausubstanz des 1748 errichteten Gebäudes litt zusehends darunter. Die "Leerstandsoffensive" rückte das Problem verstärkt ins Bewusstsein und gab Denkanstöße für mögliche Nutzungen.
Diskutiert und beraten wurden Sachverhalte zu Verfall und Abbruch, Verkauf, Neubau und Sanierung. Ein Abbruch war nicht mehr möglich, da das Haus denkmalgeschützt ist. Gute Vorschläge scheiterten durchwegs an den Sanierungskosten, die weder Kirchenstiftung noch Gemeinde stemmen konnten. Schließlich gab es Planungen, im hinteren Bereich des Pfarrgartens im Einvernehmen mit der Diözese ein Pfarrheim zu errichten. Dies hätte bedeutet, dass an exponierter Stelle des Dorfes eine Ruine erwächst, die über Jahrzehnte das Ortsbild massiv beeinträchtigt hätte.
Das Pfarrhaus im Jahr 2019. Bild: Josef Böhm
Der Blick nach vorne
Den Durchbruch erzielte man im April 2014 bei einem "Runden Tisch" im Pfarrhaus mit Baudirektor Paul Höschl vom Bischöflichen Baureferat, Gebietsreferent Raimund Karl vom Landesamt für Denkmalpflege, Pfarrer Herbert Rösl, Kirchenpfleger Jakob Kiener, Bürgermeister Rainer Eiser, der bereits neu gewählte Bürgermeister Martin Prey, Architekt Josef Schönberger sowie Kirchen- und Pfarrgemeinderäte. In dieser Diskussionsrunde verdichtete sich die Grundhaltung zur Sanierung des Gebäudes. Die bisweilen landläufige Meinung, Diözese und öffentliche Hand könnten nicht miteinander, widerlegte ganz klar ein ausgearbeitetes Finanzierungskonzept, das auf breiter Basis von Diözese, Kirchenstiftung, Städtebauförderung, Denkmalamt, Landesstiftung, Gemeinde, Bezirk Oberpfalz und Landkreis getragen wurde.
Dass das schier Unmögliche zum Erfolg geführt werden konnte, ist vor allem dem verantwortlichen Quartett mit Pfarrer Herbert Rösl, Bürgermeister Martin Prey, VG-Geschäftsstellenleiter Anton Brand und Architekt Josef Schönberger zu verdanken. Mit Ausdauer, Beharrlichkeit und Entschlossenheit sorgten sie dafür, dass das Boot, in dem nun alle saßen nicht kenterte, das Projekt nicht scheiterte. Der jahrelange Weg bis zur Einweihung war mühselig, aber er hat sich gelohnt.
Das Ziel ist erreicht
Zur Einweihungsfeier im Rahmen des Pfarrfestes am Sonntag, 14. Juli 2019, präsentierte sich das neue Pfarrheim wie ein strahlendes Geschenk an Pfarrei und Gemeinde, an die Menschen, die hier wohnen. An diesem Tag konnten sich die Besucher von der Ausstrahlung des 271 Jahre alten Gemäuers und der modernen Zweckmäßigkeit des Pfarrsaals überzeugen. Mühe und Erfolg rund um das erreichte Ziel kann mit einem Ausspruch von Pfarrer Norman Vincent Peal kaum treffender gesagt werden: „Wenn Gott dir ein Geschenk machen will, verpackt er es in ein Problem“.
Das renovierte ehemalige Pfarrhaus und der neu erbaute Pfarrsaal
bilden als Pfarrheim eine Einheit. Bild: Josef Böhm, Juli 2020