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Wissenswertes

Pfarrer in Pertolzhofen

Schulexpositus
Martin Hausladen
(1895 - 1912)

Schulexpositus
Ignatz Brombierstäudl
(1912 - 1917)

Expositus
Anton Hohenester
(1918 - 1928)

Expositus
Franz Lackermeier
(1928 - 1934)

Expositus
Korbinian Zeitler
(1934 - 1948)

Expositus
Johann Beer
(1948 - 1957)

Expositus
Fritz Hackl
(1957 - 1967)

Pater
Fritz Bumiller
(1967 - 1980)

Pfarrer
Hans Kraus
(1980 - 1999)

Pfarrer
Leo Heinrich
(1999 - 2012)

Pfarrer
Herbert Rösl
(2012 – jetzt)

Patrozinum Wallfahrtskirche St. Marien Pertolzhofen

Das Patrozinum der Wallfahrtskirche ist am 08. Dezember.

Deckengemälde

Das Marienleben beginnt mit dem Hauptgemälde Tota pulchra es Maria ... ganz schön bist Du, Maria, und kein Makel ist an Dir. Es ist das Patroziniumsbild; die Patronin der Pertolzhofener Kirche wurde seit Jahrhunderten die Schöne Maria genannt, Patrozinium ist am 8. Dezember, dem Tag der Unbefleckten Empfängnis Mariens.

Das Bild in der linken Stichkappe über dem Beichtstuhl bezeichnet das Volk als »Maria im Badwannl«; es ist die Darstellung von Maria Geburt. In der Stichkappe über dem Eingang zum romanischen Turmgewölbe sehen wir die Darstellung Marias im Tempel. Maria opfert sich für den Tempeldienst. Ihre Eltern begleiten sie bis zu den Stufen des Tempels, sie allein steigt empor und wird vom Priester mit ausgebreiteten Armen empfangen. Bei diesem Bild fällt die Gestalt eines Mannes auf, der seitlich an der Brüstung lehnt und in keinem Zusammenhang mit der Handlung steht.

Wenn wir die Kirche betreten, so blickt der Mann im blauen Kittel auf die Eltern Marias, stehen wir im Chorraum, so schaut er auf das zweite Hauptgemälde im Gewölbe, Mariae Himmelfahrt. Der Maler Merz hat sich hier selbst dargestellt. Aber auch die Eltern Marias verändern ihre Haltung. Stehen wir am Eingang der Kirche, so sehen sie uns an, gehen wir zum Hochaltar, so folgen sie uns mit ihren Blicken. Merz wandte hier die im Barock beliebte Zentralperspektive an. Das Bild in der linken Stichkappe der Kirchenmitte fällt auf durch die Leichtigkeit der Bewegungen, die fast graziöse Formgebung: Mariae Verkündigung. Das Vorbild ist die Verkündigungsplastik von Ignaz Günther im Kloster Weyarn. Die Übereinstimmungen gehen bis ins Detail.

Über die Vermählung Mariens und den Besuch bei Elisabeth führt uns der Maler zum zweiten Hauptgemälde, Mariae Himmelfahrt. Maria schwebt, von Engeln begleitet, in den sich öffnenden Himmel, zurück bleiben die Jünger und ein leeres Grabtuch. Auf dieses zeigt ein Mann, der uns anblickt, wo immer wir uns im Kirchenraum aufhalten.

Der thematische Abschluss der Lebensgeschichte Mariens war das Altarbild von der Krönung Mariens auf dem linken Seitenaltar. Das Bild wurde 1886 von Pfarrer Daubenmerkel ohne kirchliche Erlaubnis entfernt. Er wollte kein Mariengemälde auf dem Seitenaltar, »weil der Hochaltar schon Maria darstellt«. Sein Nachfolger ließ 1896 einen Großteil des Kirchengewölbes blau übermalen und mit Sternchen übersäen. Erst 1936 und 1972 konnten die Bilder wieder aufgedeckt werden.

Taufkapelle im Turm

Jahrzehnte lang war der über 800 Jahre alte romanische Taufstein unter der Emporetreppe versteckt, wo er als Weihwasserbecken diente. Im Zuge der Renovierung wurde das wertvolle Stück wieder seiner ursprünglichen Aufgabe als Taufstein zugeführt. Hierzu erhielt er in der Turmkapelle einen präsentativen Platz. Durch den Taufstein, der einen Sockel erhielt, und die gotischen Malereien im romanischen Gewölbe bekommt dieser Raum sein warmes südlich anmutendes Flair. Bei den Malereien wurde bewusst auf eine Rekonstruktion fehlender Teile verzichtet, um die Ürsprünglichkeit zu zeigen. Lediglich der Stier im Deckengewölbe wurde mittels Strichretusche rekonstruiert, um dem Betrachter zu zeigen wie eine Retusche aussehen könnte.

Die Deckengemälde zeigen neben dem Stier noch einen Löwen und einen Adler. Im linken Gewölbebogen befand sich vermutlich ein Engel. An den Seitenwänden sind die verschiedenen Apostel zu erkennen. Die rechte Seitenwand war durch Nässe leider so zerstört, dass eine Freilegung nicht mehr möglich war. Besonders gut erhalten hat sich das Rankmuster hinter dem gegeiselten Jesus in der Fensternische. Erhabene Putzstellen sollen anzeigen, dass sich in diesen Bereichen leider keine Malereien mehr befunden haben. Die Farben für die Malereien stammen unter anderem aus Malachit, einem Halbedelstein. Dem aufmerksamen Betrachter fällt auf, dass das Apostelkreuz rechts unter der vorderen Mauernische auf einer anderen Putzschicht liegt. Vermutlich handelt es sich hierbei noch um die romanische Erstfassung aus der Erbauungszeit der ersten Kirche. Bei dem Pflaster handelt es sich, ebenso wie in der Sakristei um die alten Säulenhofer Platten aus der Kirche. Die alten Bodengrabplatten fanden hierbei auch wieder einen würdigen Platz.

Kirchenkrippe

Im Jahr 1930 wurde in der Pertolzhofener Kirche erstmals eine Krippe aufgebaut.

1929 hatte der ortsansässige Schreinermeister Adam Bauer (Schreinerbartl 1855-1930 ) die  Krippenfiguren geschnitzt. Der Schreiner, der nebenher zu seinem Handwerk auch Kreuze, Madonnen und Heiligenfiguren schnitzte, hat diese Krippenfiguren aus Fichten – bzw. Kiefernholz geschnitzt. Diese schlichten Figuren in bäuerlicher Schnitzkunst gefertigt mit auffallend kräftiger Bemalung sind noch heute eine Sehenswürdigkeit in der Kirchenkrippe von Pertolzhofen.

Abweichend von üblichen Krippendarstellungen hat Adam Bauer nicht Ochs und Esel, sondern eine Kuh und einen Esel in die Krippe gestellt. Für das Dreikönigsfest hat der Schnitzer die Hl. Drei Könige, Kaspar, Melchior und Balthasar angefertigt. Dazu einen Tross aus Treibern mit Pferd, Elefant und Kamel. Diese Figuren werden am 6. Januar mit in die Krippenlandschaft eingebaut.

Ursprünglich hatte das Kamel eine grünliche Farbe, wie ein Krokodil (wahrscheinlich kannte der alte Schreiner ein Kamel nur von schwarz-weiß Drucken aus Büchern der damaligen Zeit).

Das Stallgebäude dieser ersten Krippe war sehr schlicht. Die Rückwand war aus Pappe und durch die Jahre schon eingerissen und unansehnlich. In den 1960er Jahren wurde dann von Hans Gleixner (der heute in Nürnberg wohnt) eine schöne Krippe aus einem Wurzelstock angefertigt. Diese Krippenlandschaft, bei der der Stall als Höhle erstellt war und obenauf die Silhouette von Jerusalem dargestellt war, wurde nicht lange in der Kirche aufgebaut. Der damalige Expositus Hackl, hatte nicht ohne Grund bedenken, dass aus dieser, aus teils verwitterten Baum und Wurzelteilen gefertigten Krippe, der Holzwurm in den Seitenaltar überwechseln könnte. So wurde wieder das alte Stallgebäude aufgestellt.

1994 wurde die jetzige Krippe vom Kirchenpfleger Josef Hoch angefertigt. Er wählte nicht den so oft üblichen alpenländischen Baustil, sondern fertigte ein kleinbäuerliches Anwesen im Oberpfälzer - Stil des letzten Jahrhunderts. Die alten Figuren vom Bauerschreiner passen zu diesem Baustil wunderbar, sind sie doch in dieser Zeit geschnitzt worden. Seit 2013 können die Kirchenbesucher auch während des Tages, durch Tastendruck selbst die Beleuchtung der Krippe einschalten, wobei dann auch im Hirtenlagerfeuer und im Backofen die lodernden Flammen zu beobachten sind.

2014  Kirchenpfleger Josef Hoch

Die hl Kümmernis - eine Heilige oder Christus?

In Pertolzhofen befindet sich eine von nur drei Darstellungen der Hl. Kümmernis im nördlichen Altbayern. Es stellt sich hierbei die Frage, weshalb wird eine weibliche Heilige als männlicher Christus dargestellt? Die Legende der Heiligen Kümmernis entstand bereits in der zweiten Hälfte des ersten Jahrtausends. Demnach war sie die Tochter eines südländischen heidnischen Königs, die von einem ebenfalls heidnischen Prinzen begehrt wurde. Sie lehnte aber als Christin den heidnischen Prinzen ab, und verlobte sich stattdessen mit Christus. Sie erbat sich von Christus einen Bart, um nicht mehr begehrenswert zu erscheinen. Die Bitte wurde ihr gewährt. Daraufhin ließ sie ihr Vater kreuzigen, damit sie wie Christus sterbe. Ursprünglich wird die Heilige als weibliche Figur am Kreuz oder fürbittend vor dem Kreuz Christi dargestellt.

Hl. Kümmernis
Hl. Kümmernis

Die Kümmernisfiguren in unserer Gegend entstanden aber im Barock / Rokoko (17. und 18. Jahrhundert). Sie wurden nach einem Kruzifix, an den Volto Santo, das heilige Antlitz Christi am Kreuz im Dom San Martino in Lucca (Italien) geschaffen. Der gekreuzigte Christus aus Lucca ist aber nicht, wie im Westen gewöhnlich üblich, nur mit einem Lendentuch bekleidet, sondern trägt ein langes Ärmelgewand, wie es bis zum 9.Jh. im Osten üblich war. Die langen Gewänder sowohl der weiblichen Heiligen als auch des Christus des Volto Santo und der große Zeitabstand haben wohl dazu geführt, dass die Heilige Kümmernis bei uns der männlichen Gestalt des Christus am Kreuz von Lucca nachempfunden wurde. Vielleicht ist es gerade dieses Paradoxon, dass eine weibliche Heilige männlich dargestellt wird, dass diese Skulpture so interessant macht.

Wallfahrt zur schönen Maria in Pertolzhofen

Die Entstehung der Wallfahrt nach Pertolzhofen liegt im geschichtlichen Dunkel. Sie kann jedoch eindeutig ins Mittelalter gelegt werden. Die Ortslegende nimmt an, dass Berthold von Seinsheim den Ort gründete und zuerst am Zusammenfluss des Wolfsbaches mit der Murach eine hölzerne Kapelle errichten ließ, geweiht der Gottesmutter Maria. »Viele, von Vertrauen hingezogen, besuchten diesen heiligen Ort, und bald verbreitete sich der allgemeine Ruf bis in das benachbarte Böhmen so zwar, dass für die vielen Wallfahrer, deren Opfergaben so weit hinreichten, ein kleines Kirchlein mit einem massiven Turm erbaut werden konnte."

Expositus Schraml gab 1876 in seinen Notizen für den Kirchenbau das Jahr 1322 an. Der Turm mit dem romanischen Kreuzgewölbe im Erdgeschoss ist jedoch 1150 entstanden. Es wäre denkbar, dass Schraml eine Quelle kannte, die auf einen Erweiterungsbau 1322 hinwies. Für die Entstehung der Marienwallfahrt ist kein Anlass, kein Wunder bekannt. Das Vorhandensein eines bedeutenden Marienbildes reichte in gotischer Zeit aus, Gläubige anzuziehen. Alle Urkunden geben der Filialkirche von Pertolzhofen den Namen »Zu unsrer lieben Frau« so auch die ältesten Kirchenrechnungen zwischen 1487 und 1514. 24 Jahre nach Einführung der Reformation in der Kurpfalz bereiste eine Visitation die landsässischen Pfarreien. Sie besuchte auch die Filiale Pertolzhofen, wo sie berichtete, dass »die Tafeln mit dem Frauenbild auf dem Altar sind, doch kann man sie zumachen. Außerdem ist ein Taufstein vorhanden...... « Der Bericht zeigt eindeutig, dass Pertolzhofen eine Marienwallfahrt besaß, die unter den edelmännischen Kirchen eine Sonderstellung einnahm. Der Umfang der Wallfahrt wurde als beträchtlich angesehen, der Kurfürst aufgefordert in diesem Sonderfall einzuschreiten. Für die Calvinisten war das Tun der Wallfahrer eine Versündigung.

Pfleger Wolfgang Pulnhover berichtete 1621 an den bairischen Kurfürsten Maximilian von einem Vorgang, der sich am Ende der calvinistischen Zeit ereignet hatte. Pulnhover wählte die Form eines amtlichen Protokolls. Er schrieb:

»Hans Thomas von und zu Bertoldshofen hat in seiner Hofmark eine Kapelle, ubi Beata Maria Virginis Patrona, dahin vorzeiten eine große Kirchfahrt gewest, welche bishero viel Lutherische besuchet.«

Damit ist die Wallfahrtstradition aus gotischer Zeit über die ganze Reformationszeit amtlich bestätigt. Der Pfleger berichtete anschließend, dass

»zwei Untertanen auf dem Berge Murach leben, deren Kinder mit der schweren Krankheit behaftet waren«.

In ihrer Not versprachen die beiden Bauern der Muttergottes von Pertolzhofen jedes Jahr ein schlichtes Opfer, wenn ihre Kinder geheilt würden. Und von nun an hatten die Kinder keine Anfälle mehr. Doch mit der Zeit vergaßen die Bauern ihr Versprechen, sie brachten keine Gabe mehr zum Gnadenbild. Im selben Jahr setzte die Krankheit wieder ein...

»und so sie solches nicht kontinuiert (fortgesetzt), sind die Kinder bis zur wirklichen Ausrichtung des Opfers gemartert worden«.

Die Quelle beweist, dass auch Kranke nach Pertolzhofen kamen. Schon 1626 hatte Pfarrer Wolf aus Oberviechtach versucht, die Kirche in Pertolzhofen zu öffnen. Anlass dazu war ein Gelübde, das der Markt Oberviechtach ablegte. Als die Prozession vor dem acht Kilometer entfernten Dorf Pertolzhofen an der Grenze der Hofmark ankam, ließ Pfarrer Wolf die Gemeinde halten und schickte zwei Abgesandte nach Pertolzhofen, die Hans Thomas von Bertoldshofen freundlich erklären sollten, zu welchem End die Gemeinde gekommen sei, es werde weder Predigt noch Messe gehalten, sondern allein die Gabe Gott dem Allmächtigen aufgeopfert und ein Gelübde vollzogen. Der Junker möge ihnen eine halbe Stunde die Kirche vergönnen. Hans Thomas habe von dem Vorhaben der Oberviechtacher bereits einen Vorgeschmack gehabt und stand allbereit im Dorf neben seine Untertanen. Er empfing die Abgesandten mit:

»gotteslästerlichem Fluchen, hunderttausend Sakrament, diesen verbis formalibus: der Pfaff möge draußen bleiben oder er wolle ihm die Kissen ausstauben, er wolle Leib und Leben bei ihm lassen, er soll nicht kommen, tot müsse er ihm haben.«

Pfarrer Wolf war in eine schwierige Lage geraten. Er sprach seinen Wallfahrern gut zu, sie möchten keinen Abscheu nehmen. Dann marschierte die Prozession auf Pertolzhofen zu. Auf der Brücke über die Murach, einen Büchsenschuss vom Dorf entfernt, versperrte Hans Thomas mit seinen Grundholden den Weg. Pfarrer Wolf grüßte freundlich und brachte nochmals sein Begehren vor. Mit

» Poltern und Schnarchen«

und noch gemeineren Schimpfnamen lehnte Hans Thomas ab. Der Junker habe sogar

»mit dem bei sich habenden Stecken dreimal nach ihm gezuckt«,

doch Pfarrer Wolf ließ sich nicht abschrecken. Er sprach nun zur Gemeinde, dieses Benehmen sei weder lutherisch noch calvinisch, sondern gar türkisch. Er forderte die Gemeinde auf, sich im Angesichte der Gnadenkirche niederzuknien. Hans Thomas hat während des Gebets

»ein Gestör und Gelächter getrieben, der Mutter Gottes Namen verachtet, so dass teilweise seine Untertanen selbst bei dem Gebet geweint und zweifelsohne über ihres Junkers Unfug ein Mißfallen getragen.«

Der 17. Januar 1628 ist ein denkwürdiger Tag in der Kirchengeschichte Pertolzhofens. Der Kurfürst wollte die Öffnung der Wallfahrtskirche, wenn nötig, mit Gewalt erzwingen. Pfleger, Pfarrer Wolf und einige Bewaffnete erschienen im Dorfe und verlangten im Schlosse die Herausgabe der Schlüssel. Hans Thomas war nicht anwesend. Der jüngere Sohn des Junkers verweigerte die Herausgabe des Schlüssels. Da entschloss sich der Pfleger, Gewalt anzuwenden. Die mit Schießgewehren bewaffneten Männer umstanden den Eingang, während die Türe aufgesprengt wurde. Der Pfleger schützte die Aktion mit vorgehaltener Pistole. Dann betraten die Oberviechtacher das Marienkirchlein, und Pfarrer Wolf las nach über 70 Jahren wieder eine katholische Messe vor dem Gnadenbild. Die Wallfahrt zum gotischen Gnadenbild auf dem Flügelaltar nahm weiter zu. Bis aus Böhmen sollen die Wallfahrer gekommen sein. Das kleine Kirchlein konnte die Wallfahrer nicht mehr fassen. Deshalb entschloss sich der letzte Bertoldshofer, eine große Wallfahrtskirche bauen zu lassen. Das Gesuch an den Bischof von Regensburg ist im Diözesanarchiv Regensburg erhalten. Am 20. April 1697 schrieb Kaplan Wenhardt vom Dekanat Nabburg an den Bischof:

»Das Kürchlein des Friedrich Ludwig von Bertoldshofen ist an heiligen Frauenfesten bei ankommender Menge des Volks gar zu eng und klein«.

Die Baulast trage zum großen Teil der Hofmarksherr, außerdem seien daselbst Kirchenmittel zum Bau vorhanden. Am 4. Mai 1697 gab der Bischof an das Dekanat Nabburg die Genehmigung zum Bau.

Den Höhepunkt der Wallfahrt bildete das 100. Jubiläum des Kirchenbaus, zu dem Papst Pius Vl. einen Ablass erlassen hatte. 24000! Kommunionen sollen innerhalb von 14 Tagen ausgeteilt worden sein. Eine Vorstellung vom Jubiläum gibt die Verkündigung, welche in den Kirchen der weiten Umgebung verlesen wurde. Gegenwärtiges laufendes 1799te ist auch zugleich das Jubel- oder hundertste Jahr von wiederumiger Erbauung des Löblichen Marianischen Wallfahrtsgotteshauses zu Bertholdshofen. Dieses hohe Andenken nun mit all aus dem Lande möglicher Feierlichkeit zur Vergrößerung der Ehre der seligsten jungfräulichen Mutter Mariens und mehrerer Beförderung des christgläubigen Seelenheils zu begehen, wird in besagter löblicher Wallfahrtskirche von dem letzten Sonntag gegenwärtigen Monats September oder dem Fest Michaelis angefangen bis auf den ersten Sonntag Oktobris inclusi jeden Tags in der Frühe um 7 Uhr eine Hl. Meß, um 9 Uhr Hochamt und Predigt, nach denselben abermal eine heil. Meß, und Nachmittags um 2 Uhr eine solemne Lytanei, den letzten Tag aber zum Beschluß das Tedeum und Prozession gehalten werden; zu mehrerer Beförderung dieser frommen Absicht haben auch S. päpstl. Heiligkeit Pius der Sechste nicht nur allen Christgläubigen diese ganze Oktav hindurch nach abgelegter reumütiger Beicht, empfangener Kommunion, und allda nach Meinung der Christkatholischen Kürche verrichtetem Gebet mit 7 Vaterunser und Ave Maria, dann dem christl. Glauben hier in dem Tag einen Vollkommenen Ablaß gnädigst verliehen, sondern auch den Beichtvätern ihre Gewalt dermassen extendiert, daß selbe wie zur Zeit eines anderen Jubilaei sowohl die einfache Gelübde der Beichtenden in andere gottgefällige Werke umändern, als auch von allen, und in den Sünden zensüren, und kanonischen Strafen, selbst jenen, welche sonst nur dem apostolischen Stuhle vorbehalten waren Vollkommene Lossprechung ertheilen können.

An welch großen Gnaden Schatz Teil zu nehmen alle und jede nach Standes gebühr freundlichst berufen und eingeladen werden. Die Gründe für den Untergang der blühenden Wallfahrt im 17. und 18. Jh. sind in der wallfahrtsfeindlichen Politik des Grafen Montgelas und die Verflachung der Religiösität in dieser Zeit zu vermuten. Um so schöner ist es, dass in unserer moderen und kurzlebigen Zeit immer mehr Wanderer, Radfahrer und sonstige Reiselustige unsere wunderschöne Marienwallfahrtskirche besuchen.

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