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Die hl Kümmernis - eine Heilige oder Christus?

In Pertolzhofen befindet sich eine von nur drei Darstellungen der Hl. Kümmernis im nördlichen Altbayern. Es stellt sich hierbei die Frage, weshalb wird eine weibliche Heilige als männlicher Christus dargestellt? Die Legende der Heiligen Kümmernis entstand bereits in der zweiten Hälfte des ersten Jahrtausends. Demnach war sie die Tochter eines südländischen heidnischen Königs, die von einem ebenfalls heidnischen Prinzen begehrt wurde. Sie lehnte aber als Christin den heidnischen Prinzen ab, und verlobte sich stattdessen mit Christus. Sie erbat sich von Christus einen Bart, um nicht mehr begehrenswert zu erscheinen. Die Bitte wurde ihr gewährt. Daraufhin ließ sie ihr Vater kreuzigen, damit sie wie Christus sterbe. Ursprünglich wird die Heilige als weibliche Figur am Kreuz oder fürbittend vor dem Kreuz Christi dargestellt.

Hl. Kümmernis
Hl. Kümmernis

Die Kümmernisfiguren in unserer Gegend entstanden aber im Barock / Rokoko (17. und 18. Jahrhundert). Sie wurden nach einem Kruzifix, an den Volto Santo, das heilige Antlitz Christi am Kreuz im Dom San Martino in Lucca (Italien) geschaffen. Der gekreuzigte Christus aus Lucca ist aber nicht, wie im Westen gewöhnlich üblich, nur mit einem Lendentuch bekleidet, sondern trägt ein langes Ärmelgewand, wie es bis zum 9.Jh. im Osten üblich war. Die langen Gewänder sowohl der weiblichen Heiligen als auch des Christus des Volto Santo und der große Zeitabstand haben wohl dazu geführt, dass die Heilige Kümmernis bei uns der männlichen Gestalt des Christus am Kreuz von Lucca nachempfunden wurde. Vielleicht ist es gerade dieses Paradoxon, dass eine weibliche Heilige männlich dargestellt wird, dass diese Skulpture so interessant macht.

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