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Wallfahrtskirche St. Marien Pertolzhofen

Die Wallfahrtskirche St. Marien liegt mitten in Pertolzhofen.

Die Marienkirche zu Pertolzhofen bietet die Möglichkeit, die kirchenbauliche Entwicklung vom romanischen Ursprung bis in unsere Zeit zu verfolgen. Die erste Kirche gehörte zum Typ der romanischen Wehrturmkirchen, bei dem der untere Teil als Altarhaus und die oberen Stockwerke als Zufluchts- und Verteidigungsräume dienten. Der untere Teil des heutigen Turms stammt aus dieser Zeit um 1150 und bezeugt dies bis heute. Der ebenfalls im schlichten romanischen Stil gefertigte Taufstein wurde aufgrund seiner Bedeutung restauriert und dient in Zukunft wieder als Taufbecken in der Turmkapelle. In dieser Taufkapelle wurden gotische Fresken freigelegt. Dazu harmoniert das neu geöffnete gotische rechte Turmfenster gut. Erstaunlich ist, dass die kleine Glocke, eine Rarität aus dem 14 Jahrhundert, noch heute so klangvoll läutet. Die später barockisierte Marienstatue auf dem Hochaltar dürfte auch aus dieser Zeit stammen.

Die verschiedenen Grabsteine im Hauptschiff sind überwiegend aus dem 17. Jahrhundert. Von 1697 bis 1699 wurde die Kirche unter Beibehaltung des romanischen Ostturms durch Friedrich Ludwig von und zu Pertolzhofen größer neuerbaut. Der auch aus dieser Zeit stammende frühbarocke Hochaltar besticht durch seine Ausgewogenheit und hervorragende handwerkliche Verarbeitung. Er zeigt Maria mit dem Jesuskind, Joachim, Anna, die hl. Dreifaltigkeit sowie mehrere Engel. Neben weiteren Figuren entstand um das Jahr 1700 die formschöne Kanzel mit dem Erzengel Michael. Mit der Restaurierung erhielt die doppelstöckige Empore ihre barocke Urfassung zurück. Die zwei Seitenaltäre sind schon dem Rokoko zuzuordnen. Der gefällige Chorstuhl besticht in seinem Erscheinungsbild durch den schönen Muschelwerksrokoko. Eine Besonderheit stellt die Kümmernisfigur, rechts neben der Kanzel, im blauen Rock dar. Diese Art von Kruzifixen geht auf eine Darstellung in der Kathedrale von Lucca (Italien) zurück. 1796 entstand zum Dank an die Kriegsverschonung das sogenannte Franzosenbild durch Anton Merz. Der in unserer Region bekannte Maler erstellte zum 100jährigen Kirchenjubiläum 1799 die farbenfrohen Deckengemälden. Hierzu ist folgendes überliefert:

„Zum 100 jähr. Jubiläum des Kirchenbaus wurde ein großes Fest gehalten. Papst Pius VI. erließ dazu einen Ablass. 20 000 Menschen haben in 14 Tagen in Pertolzhofen kommuniziert.“ Die zahlreichen Wallfahrtskerzen in der Taufkapelle bezeugen, dass Pertolzhofen zu dieser Zeit ein gern besuchter Wallfahrtsort war. Oberviechtach zum Beispiel legte ein Wallfahrtsgelübde ab und erfüllte dies 222 Jahre lang.

1914 wurde die jetzige Sakristei neu gebaut. Ein Jahr später wurde eine neue Orgel unter Beibehaltung des historischen Prospekts angeschafft. Ebenfalls in dieser Zeit erhielt die gesamte Kirche eine neubarocke Fassung, die bis 1971 das Erscheinungsbild der Marienkirche prägte. 1917 wurde die Kirchengemeinde zur Expositur ernannt und erhielt damit wieder die kirchlichen Rechte, die im Laufe der Jahrhunderte verloren gegangen waren.

Die letzte Renovierung fand im Zeitraum von 2001 bis 2004 statt.

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